Markierte Hüllen
Meine Hüllen nach einem Tag spielen – sie müssen dringend vor dem nächsten Match ausgewechselt werden
  • Ist eine verdeckte Karte vom Rest des Decks unterscheidbar, gilt sie als markiert.
  • Je nach Umfang und Auffälligkeit der Markierungen gibt es unterschiedliche Spielstrafen von Warning bis Match Loss.
  • Sind Markierungen absichtlich gemacht oder wird wissentlich mit ihnen gespielt, führt das zu einer Disqualifikation.

Karten nutzen sich über kurz oder lang beim Spielen ab. Weiße Kanten, Knicke, ein Aufweichen oder Vergilbung sind nur einige wenige von sehr vielen Symptomen. Nicht nur ist das unschön anzusehen: Auch bringt es einen Vorteil, wenn man weiß, welche Karte man als nächstes zieht. Das ist unfair für Gegner, die ihre Karten in gutem Zustand halten. Darum gibt es für Karten, die im Deck auffallen, Spielstrafen. Die Strafe heißt „Marked Cards“ und bezieht sich sowohl auf die Karte selbst, als auch auf eingesetzte Schutzhüllen.

Unterschiedliche Spielstrafen je nach Grad der Markierung

Eine Spielstrafe darf nicht willkürlich erfolgen, sondern wird dem offiziellen Strafenkatalog (Penalty Guideline) von KONAMI entnommen. Dieser unterscheidet nach Menge, möglichen Vorteilen und vorsätzlichem Verhalten:

BeschreibungBeispieloffizielle BezeichnungStrafe
Einige wenige Karten oder Hüllen haben leichte Schäden.2 Karten haben Knicke in der Hülle vom MischenMarked Cards – minorVerwarnung („gelbe Karte“)
Mehrere Karten/Hüllen haben Schäden, aber es ist kein Muster dabei– der Friedhof ist versehentlich falsch rum reingemischt
– Kritzeleien, die die Karte schwer erkennbar machen
– viele markierte Hüllen oder Karten
Marked Cards – majorGame Loss (aktuelles Spiel verloren)
Kartenmarkierungen ergeben ein auffälliges Muster; Nachforschen durch den Oberschiedsrichter (Head Judge) ergibt, dass es nicht Absicht war– gebogene Side Deck Karten, obwohl das Main Deck gerade ist
– Zwei ungleiche Packs Hüllen wurden verwendet, sodass die zuletzt eingehüllten Karten (meist Fallen oder Side Deck) leicht anders aussehen.
Marked Cards – strictMatch Loss (aktuelles Match ist verloren)
Der Spieler führte den Schaden absichtlich herbei, um zu wissen, wo gewisse Karten im Deck sind. ODER: Er spielte Karten wissentlich in beschädigtem Zustand.– ein Spieler führte die Markierungen absichtlich durch, um zu vermeiden, eine gewisse Karte auf der Starthand zu haben
– obwohl darauf hingewiesen, entscheidet sich ein Spieler, beschädigte Karten weiter zu spielen. So weiß er dann, wo gewisse Karten sich befinden.
CheatingDisqualifikation

Alle beanstandeten Karten müssen gewechselt werden, bevor das Spiel fortgesetzt wird. Hüllen können auch nach dem Match gewechselt werden, insofern die Strafe minor oder major war.

Für die Spielstrafe „strict“ ist aufgrund der Auffälligkeit immer notwendig, dass man den Fall auf mögliche Absicht untersucht. Das sollte ein erfahrener Schiedsrichter (in der Regel der Head Judge) vornehmen. Denn bei Absicht ist die Disqualifikation notwendig. Sollte keine Absicht vorliegen, kann es sein, dass die Untersuchung so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass die Runde vorbei ist. In dem Fall sollte dem Spieler fairerweise Zeit gegeben werden, den Fehler zu beheben, indem man ihn das nächste Match verzögert starten lässt („Time Extension“).

Markierte Karten und Hüllen feststellen

Im Grunde können markierte Karten immer auffallen. Im Idealfall fallen sie einem Spieler direkt beim eigenen Mischen auf; in dem Fall reicht es aus, die Hülle oder Karte einfach direkt selbst auszutauschen.

Fällt dem Gegner ein Schaden auf, darf er natürlich nicht selbst schauen. Er hat an deinen Karten nichts zu suchen! In dem Fall soll er einen Schiedsrichter rufen, damit sich dieser die Karten anschaut. Der Fairness halber schauen gute Schiedsrichter auch das Deck des Gegners bei der Gelegenheit an. Das ist wichtig, damit Turniere nicht toxisch werden; es gibt viele Turniere, auf denen sich Spieler leider angewöhnt haben, bei jedem kleinsten Schaden einen Schiedsrichter zu rufen, um auf einen „freien Sieg“ durch Spielstrafen zu hoffen. Deren Deck gleich mit zu begutachten, unterbindet diese Aktionen und limitiert sie auf die sinnvollen Fälle, bei denen ein Prüfen wirklich notwendig ist und nicht nur Schikane.

Auch von Schiedsrichter-Seite kann ein möglicher Schaden begutachtet werden, ohne dass ein „Judge Call“ gemacht wurde. Das kann zum Beispiel sein, wenn der Schiedsrichter beim Beobachten der Matches schon von weitem Karten sieht, die im Deck-Stapel durch Biegung oder Färbung auffallen. Auf manchen Turnieren gibt es zudem zufällige Checks der kompletten Decks („Deck Check“), bei denen die Decks eingesammelt und mit der Deckliste abgeglichen werden.

Beispiele für markierte Karten

Im Grunde ist alles, was eine Karte auffällig macht, eine Markierung. Zum Beispiel:

  • Karten sind durch häufiges Anpacken oben vergilbt und fallen daher zwischen den sonst oben weißen Karten (auch in Hülle!) auf.
  • Karten sind an einer Ecke labberig durch zu starkes Hantieren mit ihnen
  • Karten sind geknickt und damit fühlbar
  • Karten sind anders als der Rest des Decks gebogen und fallen so auf
  • Karten sind falsch herum reingemischt, sodass sie kopfüber sind
  • Farbe an der Hülle oder oben auf der Karte
  • Einzelne Karten sind nicht ganz in die Hülle gesteckt, sondern schauen ein bisschen raus

Als Faustregel gilt: Fällt es mir auf, sollte ich Karte oder Hülle auswechseln.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass bestimmte Seltenheiten verboten währen. Das ist nicht der Fall. Alle Karten sind prinzipiell erst einmal erlaubt. Es ist aber Tatsache, dass gewisse Seltenheiten sich stärker biegen. Wenn du solche Karten spielst, muss du aufpassen, dass sie genauso stark wie die restlichen Karten gebogen sind. Das ist nervig und man vergisst es oft, weshalb es tendenziell häufiger Spielstrafen bei solchen Karten gibt und viele Spieler sie meiden. Wenn du aber aufpasst und vor jedem Match kurz schaust, spricht nichts dagegen.

Zusätzliche Hinweise für Schiedsrichter

Aus Schiedsrichter-Sicht sind noch ein paar Dinge zu beachten, die man nicht immer auf dem Schirm hat. Hier ein paar Fettnäpfen, in die man gerne fällt. Als Spieler solltest du appealen, falls dir eine Schiedsrichter-Entscheidung unlogisch klingt oder mögliche Konsequenzen nicht beachtet.

  • Gibt es als Spielstrafe ein Game Loss, dann wird die Zeit für die Schiedsrichter-Entscheidung nicht gut geschrieben. Schließlich werden in dem Fall ja auch weniger Duelle gespielt.
  • Müssen alle Hüllen gewechselt werden, hält es das Turnier auf, wenn man das mitten im Spiel machen soll. Denn das braucht gut und gerne 10 Minuten. Daher kann das umhüllen auf nach dem Match verschoben werden.
    • Bei einigen wenigen Hüllen weise ich die Spieler meist an, Kartenhüllen aus dem Side Deck für das Main Deck zu verwenden, sodass zumindest das Main Deck schnell wieder in Schuss ist.
    • Soll der Spieler alle Hüllen wechseln, bittet man ihn, dass er vor Beginn der nächsten Runde kurz zeigt, dass er umgehüllt hat.
  • Beachtet die äußeren Bedigungen, bevor ihr einem Spieler den Auftrag gebt, umzuhüllen oder die Karten auszutauschen. Ich habe schon einiges über die Jahre mitbekommen, wo Spielern unmögliche Dinge aufgetragen worden sind. In solchen Fällen müsst ihr – in Absprache mit Head Judge oder Turnierorganisator! – sinnvolle alternative Lösungen finden. Zum Beispiel:
    • Sind beispielsweise alle Hüllen im Laden ausverkauft, dann kann der Spieler schlecht neue Hüllen kaufen und umhüllen.
    • Auf großen Turnieren ist es unmöglich, „kurz mal eben“ quer durch die 500 Meter lange Halle zum von Spielern umzingelten Händler zu gehen und sich schnell mal neue Sachen zu holen. Das dauert locker 15-20 Minuten und dann sind die Karten immer noch nicht umgehüllt. Und das auch nur, wenn der Händler kulant ist und der Spieler sich vor andere Kunden drängeln kann.
    • Spielt der Spieler eine seltene Karte (z.B. YCS Preiskarten), dann wird es ihm nicht möglich sein, eine zweite auf demselben Turnier zu finden.
    • Spielt der Spieler ein unbekanntes Deck („Tier 3“), dann ist es unwahrscheinlich, dass der Händler ihm kaputte Karten austauschen kann. Händler haben in der Regel nur die Karten mit, die viele Spieler kaufen wollen.

Sonderfall Braille:

Markierte Karten & Hüllen (Schiedsrichter-Wissen)

Kylina

Kylina beschäftigt sich schon seit 2003 mit dem Yu-Gi-Oh! Sammelkartenspiel und ist Besitzer von Yugioh-Forum.com. Die jahrelange intensive Beschäftigung mit dem Spiel führte dazu, dass sie Head Judge (Oberschiedsrichter) vieler YCS Turniere und Europameisterschaften wurde. Ihr schiedsrichterliches Highlight war der Head Judge Posten auf der Weltmeisterschaft 2014 in Rimini. Heutzutage kümmert sie sich um die europaweit bekannten Turniere von Silver-Cards.de, die regelmäßig in Ihrer Heimatstadt Köln stattfinden (mehr dazu unter https://silver-cards.de/news/yugioh-turniere-von-silver-cards-de/). Zudem kümmert sie sich als Main Event Manager um die Abläufe der großen europäischen Turniere (Yugioh Championship Series, Europameisterschaft, manchmal auch die deutsche Meisterschaft). Sagt gerne auf den Events Hallo! :)

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