Mittlerweile hat das Spiel über 20 Jahre auf dem Buckel. Viele starteten als Kids und hörten über die Jahre auf, als Studium oder Beruf keine Zeit mehr für das Hobby ließen. Mehr und mehr kriege ich allerdings mit, das ehemalige Spieler ihre alten Karten wieder finden und Lust haben, wieder aktiv dabei zu sein. Um euch den Einstieg zu vereinfachen, habe ich hier eine Übersicht für euch, was sich an den Menschen, den Turnieren und den Spielregeln geändert hat,und ein paar Tipps für euer erstes Deck nach der Pause. Zudem kann es sein, dass ihr noch wahre Schätze auf dem Dachboden habt.

Turnierspiel

Eure Karten können im Wert gestiegen sein

Die beste Nachricht zuerst: Es kann sein, dass ihr einige wertvolle Karten in eurer alten Sammlung habt. Geht sehr sorgfältig mit den alten Karten um, denn jede kleine Ecke und jeder feinste Kratzer reduzieren den Wert eurer Karten mindestens um ein paar Euro. Besonders wertvoll sind:

  • alle Karten aus Legend of Blue Eyes White Dragon, insbesondere die Holos. Habt ihr Karten, auf denen „1st Edition“ steht, die noch dazu in neuwertigem Zustand sind, ist selbst die Common-Version ein paar Euro wert
  • Fast alle Karten, die damals Wert hatten, haben diesen heute wieder.
  • Karten mit hohem Fan-Faktor können mehr wert sein als früher. Insbesondere, wenn ihr sie in der höchten Seltenheit habt und dazu noch 1st Edition. Beispiele: Cyber Drache Ultimate Rare 1st, Dunkles Magiermädchen aus Dark Crisis, Blauäugiger Weißer Drache in allen Varianten, die über 15 Jahre alt sind

Bei besonders wertvollen Karten etabliert es sich mehr und mehr, diese von speziell darauf ausgelegten Unternehmen bewerten zu lassen. Besonders bekannt ist das in Amerika sitzende „PSA-Grading“, welches den Zustand einer Karte auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Eine solche Bewertung kostet mindestens einen zweistelligen Betrag und ist aus Deutschland leider nicht so einfach zu koordinieren. Bei Karten, deren Wert einige hundert Euro ausmacht, ist dieser Betrag es aber je nach Situation wert. Solltet ihr solche Karten noch Zuhause liegen haben, empfehle ich eine tiefgehende Recherche, bevor ihr einen Kauf überlegt.

Ebenfalls teuer können aber auch Karten der aktuellen Zeit sein: Bei vielen Spielern zählt es als Statussymbol, die teuerste Version einer Karte zu spielen. Entsprechend ist die Nachfrage hoch nach Karten in ihrer jeweils höchsten Seltenheit.

Die Spieler wurden älter, und internationaler

Die Community hat sich verändert. Sie ist älter geworden und hat sich von dem Anime im Fernsehen sehr gelöst. Viele Spieler heutzutage verfolgen die Trickserie gar nicht mehr. Mit dem Alter kommt auch, dass viele einen Führerschein haben und die finanzielle Möglichkeit für Reisen vorhanden ist.Spieler heutzutage sind bereit, für das richtige Turnier durch Europa zu reisen, teilweise sogar in die USA. Es bestehen dank der sozialen Netzwerke und der (teils nicht lizensierten) Online-Simulatoren viele internationale Freundschaften, die auf den Events gepflegt werden.

Natürlich gibt es wie gehabt den Typ Spieler, für den Gewinnen alles bedeutet. Und den Typ, den man mehr beim Tauschen als beim Spielen sieht. Es gibt nach wie vor Spieler, die nicht immer fair spielen, und vor einem Tausch sollte man nach wie vor prüfen, welchen Wert die eigenen Karten haben. Nach wie vor ist hier übrigens eBay eine mögliche Quelle. Dazu kam noch die speziell auf Sammelkarten bezogene Verkaufsplattform cardmarket. Diese ist übrigens auch meine Empfehlung, falls euch Karten fehlen, oder ihr den Wert eurer alten Sammlung bestimmen wollt.

Es gibt mittlerweile auch Spieler der ersten Generation, die ihre Kinder mit auf die Turnier nehmen. Einige Turnierveranstanstalter nehmen auf solche Besonderheiten Rücksicht und ermöglichen es, dass junge Spieler in der nähe ihrer Eltern spielen können, falls beide zeitgleich spielen. In der Regel reicht es, vor Ort nachzufragen. Als Faustregel gilt: Umso größer das Turnier, umso eher sind die Veranstaler gewillt, hier zu helfen.

Neben den offiziellen Turnieren gibt es auch von Spielern organisierte Duelle und Turniere mit alten Deckformaten. Unter dem Namen „Goat“ verbirgt sich zum Beispiel ein Format, welches nur die Karten der ersten paar Jahre überhaupt zum Spielen zulässt. Das namensgebend meistgespielte Deck arbeitet viel mit Spielmarken, unter anderem „Scapegoat“. Aber auch andere Dekcs werden dort gespielt.

Turniere & Co: Wer spielt heutzutage, und wo?

In der Turnierlandschaft hat sich wenig getan über die letzten Jahre. Im Grunde gibt es nach wie vor 4 verschiedene Level:

  1. Einfache Turniere im Hobbyladen: OTS-Turniere (OTS = official Tournament Store), also einfache, aber offizielle Ladenturniere. In der Regel halten Läden diese Turniere mindestens wöchentlich. Ein vorheriges Anrufen ist stark empfohlen, da diese Turnierform in den letzten Jahren so populär wurde, dass es oft an Platz mangelt und selbst 40 und mehr Plätze schnell vergeben sind.
  2. Speziellere Turniere, die von Konami mit Extrapreisen versehen werden: Regionals qualifizieren wie gehabt direkt für die Europameisterschaft. Eigentlich jede Regional ist heutzutage vollständig voll, auch diejenigen mit Platz für 150 und mehr Spieler. Mittlerweile fahren erfahrenere Spieler auch schon mal 2-3 Stunden für die größeren Regionals, manche fliegen sogar gezielt zu den größten Europäischen Regionals.
  3. Nationale und Internationale Mega-Events: National Championships wie z.B. die Deutsche Meisterschaft, die Europameisterschaft und die „Yugioh Championship Series (YCS)“ ziehen tausend und mehr Spieler an. Die Europameisterschaft benötigt eine Qualifikation. Die Deutsche Meisterschaft schon seit einiger Zeit nicht mehr.
  4. Weltmeisterschaft: Nur eine handvoll Spieler aus Europa erhalten die Qualifikation zum jährlichen Finale.

Im Grunde kann man als erstes Event zum Wiedereinstieg entweder ein Ladenturnier in der Nähe besuchen. Der Vorteil ist, dass viele Spieler dort ebenfalls kein komplett perfektes Deck haben und viel Möglichkeit besteht, zu testen und das Deck zu verbessern. Allerdings unterscheidet sich die Atmosphäre und die Kundschaft start von Laden zu Laden. Wer aufgrund guter alter Erinnerungen wieder einsteigt aber gar nicht zu Ziel hat, gleich wieder vorne mitzuspielen, für den sind größere Turniere der bessere Weg: Zum einen gibt es dort hohe Anforderungen an die Veranstalter, zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man bekannte Gesichter von damals sieht.

Änderungen in den Regeln

Über die Jahre gab es, verlgichen mit anderen Kartenspielen, wenig Anpassungen:

  • Nach wie vor sind alle Karten erlaubt, auch die ältesten, insofern sie nicht auf der „Liste der Verbotenen und Limitierten Karten“ stehen.
  • Das Fusionsdeck wird heutzutage „Extradeck“ genannt und ist auf maximal 15 Karten limitiert. Man muss es nicht spielen.
  • Das Main Deck wurde ebenfalls limitiert, heutzutage ist das Maximum 60 Karten.
  • Das Side Deck muss nicht mehr zwingend genau 15 Karten enthalten, sondern kann zwischen 0 und 15 Karten umfassen.
  • An neuen Mechaniken kamen folgende hinzu: Synchro, Xyz, Pendel, Kontaktfusion, und Link. Pendel und Link sind etwas schwieriger, aber wenn man sie live erlebt, erklären sie sich ganz gut.
  • Karten anderer europäischer Sprachen sind erlaubt. Wenn man sie einsetzt, empfiehlt es sich, die App „Yugioh Neuron“ zu installieren, da man eine Übersetzung dabeihaben muss und diese App diese Funktion erfüllt. Alternativ kann auch handschriftlich eine Übersetzung erfolgen, oder als Ausruck.
  • Es gibt eine Zone mehr auf dem Spielfeld: Die Extra-Monsterzone. Diese Zone ist ein Extraplatz für eure Extradeck-Monster, sodass ihr nun unter bestimmten Bedingungen 6, in einem besonderen Fall (Extra-Link) sogar 7 Monster auf eurem Feld haben könnt.Wenn ihr nicht gerade Link- oder Pendelmonster spielt, könnt ihr diese Zone aber für die ersten Spiele ignorieren, da die Zone kein Nachteil für euch ist.

Empfehlungen für eurer Deck

Zusammengefasst lässt sich bisher also sagen: So viel Neues gibt es erstmal für euch gar nicht zu lernen. Klar, im Detail sind noch ein paar kleinere Dinge anders, aber die alle aufzuzählen würde der Übersicht schaden. In den meisten Fällen könnt ihr also euer altes Deck nehmen und einfach (zumindest nach der Pandemie) in den nächstbesten Laden und dort ein Turnier spielen.

Allerdings… damit es weiter Interessant ist, neue Produkte zu kaufen, ist es in Kartenspielen üblich, dass die Hersteller immer bessere Karten rausbringen. Ein Deck, dass vor 10 Jahren das stärkste war, wird heute ohne Anpassung nicht mehr mithalten können. (Oder – falls es doch noch stark ist – auf der Liste der Limitierten und Verbotenen Karten sein.) Ihr könnt also mit eurem alten Deck 1:1 spielen, aber in der Regel werdet ihr damit nicht erfolgreich sein.

Die gute Nachricht ist aber: Es gibt mehrere Wege, wie ihr an gute Deck kommt.

Weg 1 – Falls ihr komplett bei 0 anfangt und ein geringes Budget habt: Heutzutage sind die meisten Structure Decks (nicht mit Starter Decks verwechseln!) gar nicht mal so schlecht. Mehrere Structuredecks waren so stark in der Vergangenheit, dass es genügte, 3 davon zu kaufen, zusammenzubauen, und um einige wenige Karten zu ergänzen. Im Falle von manchen Decks hat dieser simple Aufbau für den Sieg einer Meisterschaft gereicht. Hier zum Beispiel „Monarchen“ und „Salamangreat“. Die Aussage kann man aber nicht pauschal nehmen; zwischendurch gibt es auch Nieten bei den Structure Decks. Falls ihr komplett neu wieder anfangen wollt, ist es der beste Weg, wenn ihr einfach mal schaut, welche Structure Decks zurzeit erhältlich sind, und das abgleicht damit, ob es Sieger-Decklisten zu genau dem Thema gibt („Netdecken“).

Weg 2 – Falls ihr komplett bei 0 anfangt, aber gerne direkt viel Geld „einmal richtig“ investieren wollt: So ziemlich jede erfolgreiche Deckliste ist heute im Netz zu finden. Googled einfach nach „Top Deckliste + aktueller Monat“, und ihr werdet in wenigen Minuten sehr gute Listen haben. Die Karten kauft ihr dann am besten auf den Plattformen ebay oder tcgmarket, anstatt euch verpackte Produkte zu kaufen. Denn die Sieger-Decklisten sind in der Regel ein Mix aus Karten der verschiedensten Editionen; ihr könnt also nicht einfach Booster kaufen und hoffen, alles zusammenzubekommen. Ein Wort der Warnung aber: Die Preise der aktuellen Karten verfallen in der Regel innerhalb weniger Monate um gerne mal 50%. Wenn ihr diesen Weg gehen wollt, solltet ihr auch vorhanben, viel auf Tunieren zu spielen, sonst lohnt es sich von den Kosten her nicht, da ihr mehrere hundert Euro ausgeben werdet. Da sich die Decks stetig in kleineren „Techs“ ändern, könnt ihr zudem davon ausgehen, das ihr alle paar Wochen weitere Karten kaufen oder ertauschen müsst. Es kann auch sein, dass ihr mittdendrin gezwungen seid, das Deck komplett zu wechseln, falls die „Liste der Verbotenen Karten“ euer Deck einschränkt. Dies ist ein häufiges Schicksal bei zu starken Decks.

Weg 3 – Falls ihr ein Deck von früher weiter spielen möchtet: Hier gibt es gute Nachrichten! Fast jedes alte Thema hat über die Zeit Verstärkung bekommen. Beliebte alte Themen wie beispielsweise Dunkle Magier oder Blauäugiger Weißer Drache haben so viele Karten erhallten, dass sie auf kleineren Turnieren durchaus gewinnen können. Eine aktuelle Übersicht aller Karten kriegt ihr in der App „Yugioh Neuron“ oder auf dem PC in der offiziellen Yugioh Karten-Datenbank. In der Smartphone-App könnt ihr zudem alle Decks anderer Nutzer durchforsten, indem ihr die Suche in der App verwendet. Die Decks könnt ihr euch abspeichern,oder auch für euch ändern. Fehlen euch Karten, könnt ihr in der Karten-Datenbank sehen, in welchen Sets sie erschienen sind. Solltenviele Karten im selbelben Booster schienen sein, kann es durchaus sinnvoll sein, euch Booster zu holen und euer Zieh-Glück herauszufordern. Ansonsten bleibt für euch auch der WEg über ebay,oder ihr schaut vor Ort auf Turnieren, ob ein anderer Spieler zufällig die Karten mit euch tauscht. Gerade bei beliebten Themen ist das häufig der Fall.

Fazit: Wiedereinsteigen lohnt sich!

Wenn ihr überlegt, wieder dabei zu sein, gebt euch einfach einen Ruck und tut es! Vieles hat sich über die Jahre verbessert, und es ist ehute nicht schwierig, sich ein aktuelles Deck zu besorgen. Auch wenn die ersten Siele nicht erfolgreich sein sollten, erwartet euch heute viel „drum herum“, wenn ihr mit anderen ins Gespräch kommt, noch Karten und Tipps austauscht oder man sich gemeinsam nach dem Turnier noch auf einen Snack in die nächste Imbissbude begibt.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte euch eine Hilfe sein, um wieder ins Spiel zu finden. Falls ihr noch Fragen habt, schreibt sie gerne in den Kommentar!