YCS Leipzig: Wie bereite ich mich vor? #1

Die YCS Leipzig rückt immer näher: Mittlerweile sind es weniger als 2 Monate, bis wir am 25. und 26. Februar wieder zum Austragungsort pilgern können. Und egal, ob Spieler oder Schiedsrichter, für so ein Event sollte man sich vorbereiten. Wie, das hat Xagor in englischer Sprache bereits in „Preparing for YCS Brighton“ für die vergangene YCS in England erklärt. In zwei Artikeln fasst er zusammen, was wichtig ist: Zunächst ist er auf allgemeine Vorbereitungen eingegangen, dann geht er auf wichtige Spielregeln ein, die nicht jedem geläufig sind und die bestimmt schon das eine oder andere Mal über Sieg und Niederlage entschieden haben. Hier nun der erste Teil. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg!

1. Essen und Trinken
Auf dies sollten sowohl Spieler als auch Schiedsrichter achten. Während es möglich ist, den Tag auf einem Großevent mit recht wenig Nahrung zu überstehen, wirst du dich wahrscheinlich am Ende schlapp fühlen. Indem du isst und vor allem trinkst, kannst dein Gehirn richtig arbeiten, was vor allem für Spieler wichtig ist, da eine Entscheidung den Sieg oder Verlust ausmachen kann.

2. Alkohol
Was du außerhalb des Events machst, ist deine eigene Entscheidung, aber ein paar Dinge solltest du im Kopf haben. Du kannst vom Turnierort entfernt werden, wenn du betrunken bist. Wenn du einen Kater vom vergangenen Abend hast, ist das in Ordnung, auch wenn es dein Spiel negativ beeinflussen wird. Letzteres betrifft ausschließlich die Spieler, Schiedsrichter repräsentieren nämlich Konami und dürfen der Öffentlichkeit daher kein so negatives Bild liefern.

3. Körperpflege/Hygiene
Du wirst einen langen Tag beziehungsweise ein langes Wochenende haben, bei dem du von anderen Leuten umgeben bist (lasst uns ehrlich sein: zum Großteil Jungs/Männer). Eine gewisse Hygiene zu pflegen, wäre hier eine große Hilfe. Niemand will in einem Raum mit hunderten von miefenden, schwitzenden Jungs sein. Zugegeben, manchmal kann man nicht viel machen, wenn es ein langer Tag ist und 12 Stunden seit der letzen Chance, sich zu waschen. Aber du kannst wenigstens sicherstellen, dass du dies auch vor dem Event tust. Das trifft umso mehr auf Schiedsrichter zu, da sie halt Konami repräsentieren.

4. Schlaf

Es scheint offensichtlich, aber versuche, genug Schlaf zu kriegen. Manche Leute schaffen es auch mit wenig Schlaf, aber du solltest wissen, wo deine Grenze liegt. Außerdem wird genug Schlaf deine Laune über den Tag deutlich verbessern. Dies ist umso wichtiger für Schiedsrichter, da ihre Fehler das ganze Event negativ reflektieren. Ein schlecht performierender Spieler dagegen wird nur sich selber enttäuschen und eventuell noch Freunde.

5. Decklisten
Überprüfe, dass du deine Deckliste korrekt geschrieben hast. Namen und Anzahl müssen stimmen, und Deck und Deckliste müssen legal sein. (Anmerkung: Die aktuelle Banned List für die YCS Leipzig findet ihr hier.)
Benutze keine mehrdeutigen Abkürzungen. So etwas wie „SF“ für „Schwarzflügel“ sollte in Ordnung sein, solange du es für jede deiner „Schwarzflügel“-Karten nutzt. Zur Sicherheit solltest du aber den Head Judge fragen. Abkürzungen wie „Sternenstaub“ sind dagegen nicht in Ordnung, da mehrere Karten das Wort „Sternenstaub“ enthalten. Die meisten Menschen meinen vermutlich „Sternenstaub Drachen“, aber wer kann sicher sagen, dass nicht doch jemand „Sternenstaubschimmer“ meint?
Wenn du mehr als eine Zeile/Spalte brauchst, nutze einfach die nächste Zeile/Spalte. Markiere nur eindeutig, dass du dort die Liste fortsetzt.
Es ist in Ordnung, deine Deckliste im Voraus zu drucken. Du brauchst auch nicht das Decklisten-Formular von Konami. Stelle nur sicher, dass deine Deckliste auch lesbar ist. Deckchecks sind ziemlich problematisch, wenn ein Schiedsrichter die Deckliste nicht lesen kann.
Schlussendlich, denke daran, deinen Namen auf die Deckliste zu schreiben. Es gibt immer eine Person, die das vergisst.

6. Wisse, wie dein Deck und beliebte Karten funktionieren
Dies ist wahrscheinlich offensichtlich für die meisten Spieler, aber es hilft ungemein, zu Wissen, wie die eigenen Karten wirken. Das hilft dir auf jeden Fall, Spiele zu gewinnen, und vermeidet Uneinigkeit über die Funktionsweise einer Karte. Aus genau denselben Gründen sollte man die beliebtesten Karten kennen. Für Schiedsrichter gilt das natürlich umso mehr, da man Fragen schneller beantworten kann.
Weder Schiedsrichter noch Spieler können alles über jede Karte wissen. Die Schiedsrichter sind dazu da, Spielern zu helfen, wenn diese unsicher sind. Und die Schiedsrichter gehen zum Headjudge (Anmerkung: Oder anderen, erfahrenen Schiedsrichtern) oder behelfen sich mit einer Regelquelle, wenn sie nicht sicher sind.

7. Rulings
Wenn du dir unsicher bist, wie etwas sich auflöst oder funktioniert, oder Uneinigkeit mit deinem Gegner herrscht, rufe bitte einen Schiedsrichter, um die Situation aufzuklären. Spieler sollten das immer tun. Mehrfach gab es schon Spieler auf dem Event, die dachten, der Gegner würde illegale Spielzüge machen. Allerdings hatten sie Angst, für die Nachfrage wegen Rulesharking bestraft zu werden, daher riefen sie keinen Schiedsrichter. Das Spiel auf einen korrekten Ablauf überprüfen zu lassen ist kein Rulesharking. Wenn du unsicher bist, solltest du immer einen Schiedsrichter holen.
Es ist die Aufgabe eines Schiedsrichters, Regelfragen zu beantworten, Streitigkeiten zu klären und unklare Situationen aufzulösen.
Sie haben nicht die Aufgabe, die Spielzüge der Spieler für sie zu machen. Sie können sagen, ob Spielzüge erlaubt sind, und wie Karten und Spielmechaniken funktionieren, aber sie dürfen den Spielern keine Spielzüge vorschlagen („Coaching“). Wenn Spieler eine Regelfrage haben, muss diese Frage offen gestellt werden („Public Knowledge“), und beide Spieler müssen über die Frage und Antwort informiert werden.
„Kann ich Karte X nutzen?“ ist eine schlechte Frage, weil es sehr wahrscheinlich nicht das ist, was du wissen willst. Was du vielmehr meinst ist „Wie wird diese Situation aufgelöst?“, was die Sorte Frage ist, die ein Schiedsrichter dir nicht beantworten wird. Oft wird die Antwort auf „Kann ich Karte X nutzen?“ einfach „Ja.“ sein, da es keine illegale Aktivierung ist. Aber es wird oft nicht so funktionieren, wie der Spieler gehofft hat, was den Spieler frustrieren könnte.
Verschiedene Menschen sind sich uneinig über eine gute Schiedsrichter-Praxis für diese Fälle. Xagor persönlich findet aber, es ist besser zu versuchen, bestimmte Karten und Spielmechaniken den Spielern zu erklären, sodass sie für das nächste Mal lernen. Sonst werden Spieler einfach denken, dass etwas so funktioniert, weil es ein Schiedsrichter gesagt hat. Oft ist es entscheidend, dasss ein Schiedsrichter in der Nähe bleibt und schaut, wie die Situation ausgespielt wird, weil Spieler oft auch checken wollen, dass sie alles richtig gemacht haben.
Schiedsrichter sollten Spieler mit genug Informationen versorgen, um legale Spielzüge zu ermöglichen, sie sollen nicht erklären, was ein guter und was ein schlechter Spielzug ist.
Wenn sie eine Entscheidung geben, sollten Schiedsrichter diese immer erklären. Denn es wird die Spieler lehren und zufriedener mit der Antwort sein lassen.

8. Appeals
Spieler haben das Recht auf einen Appeal. Spieler sollten sich das merken, und Schiedsrichter sollten daran erinnern. Wenn du nicht mit der Entscheidung des Schiedsrichters übereinstimmst, appeale und erhalte eine Entscheidung vom Head Judge. Manchmal wirst du Unrecht haben, manchmal Recht haben, manchmal werdet ihr beide falsch liegen. Es ist besser, das sofort zu wissen, als sich später im Internet zu beschweren.

9. Übersetzungen
Spieler haben das Recht auf eine Übersetzung einer Karte in ihre Sprache, die Schiedsrichter liefern können. Wenn Übersetzer für eine Entscheidung gebraucht werden, sind diese ausschließlich für die Übersetzung zuständig. Jede Unterhaltung zwischen Spieler und Übersetzer muss auch dem anderen Spieler und Schiedsrichter übersetzt werden. Falls das nicht der Fall ist, sollten Spieler den betroffenen Übersetzer darauf hinweisen, oder einen höher Gestellten mitteilen. Ein Schiedsrichter darf niemals jemanden aufgrund seiner Landeszugehörigkeit bevorzugen.

10. Pass auf Diebe auf
Leider gibt es auf solchen Events immer auch Diebe. Daher solltest du immer ein Auge auf deine Sachen haben. Vorfälle meldest du den Konami-Mitarbeitern oder den Schiedsrichtern.

11. Kommunikation
Dies ist eines der wichtigsten Sachen beim Spielen. Drücke jederzeit klar aus, was du machst und stelle sicher, dass dein Gegner dasselbe tut.
Oft spielen die Spieler mit Abkürzungen („Shortcuts“), um alles etwas zu beschleunigen, allerdings ist das die übliche Quelle für Konflikte.
Denke dran, zu überprüfen, ob dein Gegner auf eine Aktion reagieren möchte und stelle sicher, dass dein Gegner auch nachfrägt. Das hilft, Streitigkeiten zu vermeiden, ob jemand zu schnell gespielt hat (sodass der Gegner nicht reagieren konnte).
Erkläre alle deine Angriffe einzeln und bitte deinen Gegner um dasselbe. Alle deine Monster auf einmal nach vorne zu schieben ist kein Angriff. Das hilft, Konflikte rund um Gorz und Tragoedia zu vermeiden, wobei ein Spieler durch unsauberes Spiel Vorteil erhalten könnte.
Wenn ihr keine gemeinsame Sprache sprecht, versucht mit Gestiken zu kommunizieren.

12. Lebenspunkte
Bitte schreibt euch beide die Lebenspunkte beider Spieler auf Papier auf. Wenn du Probleme mit dem Rechnen hast, kannst du einen Taschenrechner zur Hilfe nehmen, aber nutze ihn nicht als alleiniges Mittel, um die Lebenspunkte zu vermerken. Wenn es Uneinigkeit über Lebenspunkte gibt, sind die einfacher mit zwei schriftlichen Notizen zu lösen. Manchmal ist es einfach so, dass dem falschen Spieler die LP abgezogen worden sind. Wenn du keine Lebenspunkte aufschreibst, erwarte nicht, dass jemand dir glaubt, dass die Notizen deines Gegners falsch sind.

13. Nimm Hilfsmittel mit

Du brauchst Stift und Papier und solltest nicht erwarten, sie vor Ort zu bekommen. Wenn du Würfel oder Münzen für deine Effekte brauchst, bring sie mit. Du brauchst eventuell auch Tokens. Außerdem solltest du ein paar Ersatzhüllen mitnehmen, falls du Hüllen auswechseln musst. Schlussendlich solltest du etwas Geld mitnehmen, falls etwas passiert oder du eines der Hilfsmittel vor Ort nachkaufen musst.

Das war der erste Teil von Xagors Tipps für die YCS. Im nächsten Teil wird vor allem auf wichtige Tipps zu Spielmechaniken eingegangen. Es wird also interessant.
Wer noch mehr Tipps für das Event haben möchte, kann sich in der Zeit auch meine alten Artikel „19 Tipps, um besser Yu-Gi-Oh! zu spielen“ und „Spielweisen – oder auch: Wie man gegen andere Yu-Gi-Oh!-Decks gewinnt“ durchlesen.

Wie bereitet ihr euch auf solche großen Events vor? – Antwortet hier oder im Yugioh-Forum!